Zum Inhalt springen

„Vor der Schule rasch noch ein Massaker“

21/02/2011

Oder: Ein Lehrer und IT-Fachberater klärt Eltern auf

Eines Vorweg: der Titel ist geklaut! Es war die Überschrift eines Artikels aus der Wetterauer Zeitung vom 17. Februar 2011. Dieser Artikel beschreibt den Vortrag eines IT-Fachberaters und Lehrers, der 600 Eltern darüber aufklärte, was ihre Kinder im Internet so treiben. Auch wenn ich verstehen kann, dass reißerische Überschriften die Leser anziehen, diese lässt vermuten, dass alle Kinder vor der Schule noch schnell ein Ballerspiel spielen, lenkt den Blick eher auf Amokläufer, denn darauf was Kinder im Internet tun.

Der Referent meint, Eltern wissen nicht, welche Webseiten ihre Kinder besuchen und was sie in Sozialen Netzwerken alles von sich und vielleicht auch von der Familie preisgeben. Da hat er sicherlich nicht ganz unrecht – viele Lehrer wissen auch nicht, was ihre Schüler dort tun. Was mich jedoch an solchen Berichten stört ist, dass es die Angst vor dem „bösen“ Internet schürt. Hinter jeder Website verbirgt sich jemand, der mir auflauert und mich überfallen will, wie der „schwarze Mann“ hinterm Busch im Park. Da werden wild durcheinander Studien zitiert und in Beziehung gesetzt, die nichts miteinander zu tun haben. Immer wieder gerne genommen, die Tatsache, dass die US-Armee früher die Tötungsbereitschaft ihrer Soldaten mit virtuellen Trainingsmethoden von 30 auf 75% erhöhte. Es wird nicht erläutert, welche Trainingsmethoden dies waren und wie sie heute trainiert werden, es steht „früher“ war das so.

Ja und deswegen sind alle sozialen Netzwerke böse, alle Kinder schauen Pornoseiten an, ach ich will jetzt gar nicht alles aufzählen, zumindest ist in diesem Artikel zusammengeschrieben (oder zusammengeklaut), was die letzten 5 Jahre eh immer wieder in allen (Publikums-)Magazinen zu lesen war. und als neueste Masche wird uns Lesern sogar Online-Mobbing „verkauft“ – meine Güte, wie lange wird darüber schon diskutiert? Alles reine Schwarzmalerei und ein Rundumschlag!  Meine Kinder (17 und 21 ) haben gelacht, als sie den Artikel überflogen haben.
Die digitale Welt der Kinder wird so beschrieben: „Es geht um Gewaltspiele, sexuelle Praktiken in allen nur erdenklichen Spielarten, um Mobbing, Spielesucht, die völlige Offenlegung der Privatsphäre und um einen  rapiden Leistungsabfall der  Kinder in der Schule.“ Kurz: wieder mal um den Verfall des Abendlandes!

Wenn die Inhalte wirklich so transportiert wurden – ich weiß ja nicht, wie korrekt die Presse geschrieben hat – dann frage ich mich, was die Zielrichtung sein soll. Sollen Eltern ihren Kindern das Internet verbieten, weil sie die Welt nicht mehr verstehen? Soll Eltern Angst vor der virtuellen Welt gemacht werden, die längst real geworden ist? Oder Eltern aufklären, wie man verantwortungsvoll mit dem Medium umgehen kann? Letzteres wäre durchaus sinnvoll  – jedoch: so geht’s nicht. So kann ich diese Veranstaltung nur als eine Variante der Nachmittags-Trash-Talkshows einsortieren, nett anzugucken, aber nicht ernst nehmen!

Begreift endlich: das Internet ist nicht böse, es gehört wie alle sozialen Netzwerke, ob real oder virtuell, längst zu unserem Leben dazu – und zwar zum real-life!

Advertisements

From → Kommunikation

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: